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Deutsch-deutsche Kontakte vor 1989/90. Die Nationalistische Front und ihre Vernetzung in die DDR (2025)
Angermann, Eric
Kommentar zur Quelle: Quelle: Nachrichten aus der Szene. Berlin, in: Klartext 5 (1985), Nr. 16, o.S.
Ideologisierung und Personalisierung rechter Programmatik. Das Siegburger Manifest der Partei Die Republikaner (2025)
Fischer, Moritz
Kommentar zur Quelle: Quelle: Die Republikaner (REP), Das Siegburger Manifest, verabschiedet auf dem Bundesparteitag am 16. Juni 1985 in Siegburg/Bonn, verantwortlich: H. Neubauer (München), Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Nachlass Franz Schönhuber, 83.
Versuche zur Sammlung. Der „Allgemeine Kongreß nationaler deutscher Jugendverbände“ in Köln 1955 (2025)
Botsch, Gideon
Kommentar zur Quelle: Quelle: Vorbereitungsausschuß für die Gründung eines Dachverbandes nat[ionaler] Jugendverbände: An alle nationalen Jugendverbände und -Gruppen, Köln Lindenthal, 14. Dezember 1954, Archiv der deutschen Jugendbewegung Burg Ludwigstein (AdJB), Sammlung „Junge Bünde“, Nr. 22.
Transnationaler Rechtsterrorismus im Kalten Krieg. Das Urteil des Obersten Gerichts der DDR gegen Herbert Kühn (2025)
Heitzer, Enrico
Kommentar zur Quelle: Quelle: Urteil des Obersten Gerichts gegen den Terroristen Kühn, 1 Zst (I) 1/64, 26.2.1964, abgedruckt in: Neue Justiz 18 (1964), H. 6, S. 175–180.
Vom „sexuellen Klassenkampf“. Erich Johann Kernmayr und die „sexuelle Revolution“ (2025)
Bischoff, Sebastian
Kommentar zur Quelle: Quelle: Erich Kern [Pseudonym von Erich Johann Kernmayr], Sex als Sprengstoff gegen die Gesellschaft. Die politische Manipulation mit der Pubertät, in: Deutsche Wochen-Zeitung, Nr. 3, 16.1.1970, S. 5.
Der Beginn des Rechtsterrorismus. Mordversuch am Sowjetischen Ehrenmal in Berlin (2025)
Botsch, Gideon
Kommentar zur Quelle: Quelle: Bekennerschreiben der Europäischen Befreiungsfront (Faksimile), in: Berliner Extra-Dienst, Nr. 13/V vom 17. Februar 1971 (Sammlung Emil Julius Gumbel Forschungsstelle Antisemitismus und Rechtsextremismus am Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien Potsdam).
Weiblicher Machtanspruch in der NPD. Ein Brief von Gertraude Winkelvoß an Adolf von Thadden (2025)
Dubslaff, Valérie
Kommentar zur Quelle: Quelle: Brief von Gertraude Winkelvoß an Adolf von Thadden, o.O. 9.2.1967 (Hervorhebungen im Original), Niedersächsisches Landesarchiv, Abteilung Hannover, Kleine Erwerbungen, Nr. 39 (alte Signatur: A6, Nr. 3).
Sammlungsversuch der Neuen Rechten. Die „Erklärung des Deutschlandrats“ vom Dezember 1983 (2025)
Fischer, Moritz
Kommentar zur Quelle: Quelle: Erklärung des Deutschlandrats vom Dezember 1983, in: Das Freie Forum. Mitteilungsblatt der Gesellschaft für freie Publizistik e.V. 24 (1984), H. 1, S. 1.
Kampf um das Stadion. Aufruf zur Störung des Fußball-Länderspiels Bundesrepublik Deutschland vs. Türkei (2025)
Gebhardt, Richard
Kommentar zur Quelle: Quelle: An alle deutschen Fußball-Fans!!!!! [Flugblatt], o.D. [ca. Mai 1983], antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin e.V. (apabiz).
Renovierte Propaganda. Thora Ruths Leserbrief „Die besseren Argumente“ (2025)
Hagedorny, Matheus
Kommentar zur Quelle: Quelle: Thora Ruth, Die besseren Argumente, in: La Plata Ruf / La Voz del Plata. Unabhängige Zeitschrift für Politik, Wirtschaft und Kultur 6 (September 1973), Nr. 65, S. 25 (DISS-Archiv, Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung).
Neues im Köcher nationalistischer Methoden. Die Schülerzeitung Der Pfeil (2025)
Haßler, Laura
Kommentar zur Quelle: Quelle: Hugo Müller, Schulstress, in: Der Pfeil 1 (1976), Nr. 2, S. 1–3 und 7.
Amerikanische Propaganda in Deutschland. Der NS Kampfruf, Gerhard Lauck und die NSDAP/AO (2025)
Kahn, Michelle Lynn
Kommentar zur Quelle: Quelle: N.N., Die Organisation, in: NS Kampfruf (Nov./Dez. 1977), Nr. 23, S. 1, Fortsetzung S. 3 und 4, antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin (apabiz).
Das Collegium Humanum als Bildungsstätte der extremen Rechten. Die Einladung zur Vorbereitung der Feier zum 100. Geburtstag Hitlers (2025)
Knäble, Philip
Kommentar zur Quelle: Quelle: Christian Malcoci, Rundschreiben des Komitees zur Vorbereitung der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag des Führers (KAH), 1984, Stadtarchiv Vlotho, Sammlung Bündnis gegen das Collegium Humanum.
Tage der Gewalt und völkischen Indoktrination: Das Informationsheft der Wiking-Jugend zum 14. Pfingsttreffen nationaler Jugend (2025)
Krawinkel, Niklas
Kommentar zur Quelle: Quelle: Tage volkstreuer Jugend. 14. Pfingsttreffen nationaler Jugend, Kleinsachsenheim vom 30.5.–3.6.68 [Informationsheft], Archiv der deutschen Jugendbewegung, M 47, Nr. 2.
Ein Grundstein des deutschen Rechtsrocks. Böhse Onkelz – „Türken raus“ (2025)
Kreter, Maximilian
Kommentar zu Quellen: Quellen: Böhse Onkelsz, Böhse Onkelsz, Hösbach: Eigenverlag, 1981. Böhse Onkels, Ohne Titel, Hösbach: Eigenverlag, 1983.
Inszenierung des Unpolitischen. Ein antisemitischer Artikel in der Zeitschrift Kommando der Wehrsportgruppe Hoffmann (2025)
Manthe, Barbara
Kommentar zur Quelle: Quelle: Karl Heinz Hoffmann, Ist altes Mauerwerk politisch?, in: Kommando. Zeitschrift der WSG für den europäischen Freiwilligen 1 (März 1979), Nr. 2, S. 11.
Feindbild Günter Grass. Die Offenen Briefe des DKEG an den Bundespräsidenten Heinrich Lübke (2025)
Müller, Yves
Kommentar zu Quellen: Quellen: Böhme, Herbert: Unser Brief an den Bundespräsidenten! (23.8.1967), in: Deutsches Kulturwerk Europäischen Geistes: Das deutsche Kulturwerk, 7. Brief, S. 25–27 [= Beilage zu: Klüter Blätter 18 (1967), H. 10]. Böhme, Herbert: Zweiter Brief an den Herrn Bundespräsidenten! (26.10.1967), in: Deutsches Kulturwerk Europäischen Geistes, Das deutsche Kulturwerk, 8. Brief, S. 61 [= Beilage zu: Klüter Blätter 18 (1967), H. 11/12].
Neuer Anstrich für den alten Nationalismus: Gert Waldmanns „Von der Linken lernen?“ (2025)
Müller-Zetzsche, Marie
Kommentar zur Quelle: Quelle: Gert Waldmann, Von der Linken lernen? Respektlose Gedanken eines jungen Nationalisten, in: Nation Europa 19 (1969), H. 8, S. 23–24.
Europa-Enthusiasmus in rechtsradikal. Maurice Bardèches Weg nach vorn (2025)
Müller-Zetzsche, Marie
Kommentar zur Quelle: Quelle: Maurice Bardèche, Der Weg nach vorn, Göttingen: Plesse Verlag, 1952, Auszüge: S. 9–10 und S. 89–111.
Kampf um Deutungshoheiten. Die „Rechenschaft“ des Rechtsterroristen Manfred Roeder (2025)
Muschiol, Darius
Kommentar zur Quelle: Quelle: Manfred Roeder, Ich gebe Rechenschaft, in: Die Bauernschaft. Für Recht und Gerechtigkeit. Unabhängige Korrespondenz für Freunde und Förderer des Bauernstandes, Nr. 4/1980, Dezember 1980, S. 5/6.
Eine rechte Verschwörung und ihre publizistische Leugnung. Unrecht im Rechtsstaat von Friedrich Grimm (2025)
Rigoll, Dominik
Kommentar zur Quelle: Quelle: Friedrich Grimm, Unrecht im Rechtsstaat. Tatsachen und Dokumente zur politischen Justiz dargestellt am Fall Naumann, Tübingen: Verlag der Deutschen Hochschullehrer-Zeitung, 1957, Auszüge S. 9–16, 168–172 und 217–222.
Rechter Populismus unter alliierter Besatzung. Alfred Loritz im Bayerischen Landtag, 16. Dezember 1946 (2025)
Rigoll, Dominik
Kommentar zur Quelle: Quelle: Stenographischer Bericht über die Verhandlungen des Bayerischen Landtags. Erste öffentliche Sitzung. Montag, den 16. Dezember 1946, in: Verhandlungen des Bayerischen Landtags, Stenographischer Bericht, Wahlperiode 1 (1946–1950), München o.J., S. 1–18, hier S. 3–4.
Angriff auf die NS-Aufarbeitung. Ein Flugblatt vom neonazistischen Kampfbund deutscher Soldaten (2025)
Saß, Jakob
Kommentar zur Quelle: Quelle: Kampfbund Deutscher Soldaten, 10.000,- DM Belohnung, verantwortl. Erwin Schönborn, Frankfurt am Main, Juni 1977, antifaschistisches pressearchiv und bildungszentrum berlin e.V. (apabiz).
Bomben gegen das US-Imperium. Abschied vom Hitlerismus (2025)
Schulze, Christoph
Kommentar zur Quelle: Quelle: Odfried Hepp/Walther Kexel, Abschied vom Hitlerismus, Offenbach 30.6.1982, Bundesarchiv (BArch), Ministerium für Staatssicherheit (MfS), AOPK 7896/91, Bd. 1, Bl. 26–29.
Entsorgung der NS-Geschichte. Armin Mohlers Vergangenheitsbewältigung (2025)
Tändler, Maik
Kommentar zur Quelle: Quelle: Armin Mohler, Vergangenheitsbewältigung. Von der Läuterung zur Manipulation, Stuttgart-Degerloch: Seewald Verlag, 1968, S. 45–50 (gekürzt).
Vom „Führer von Berlin“ zum Medienstar. Ingo Hasselbachs Die Abrechnung (2025)
Voigtländer, Henrike
Kommentar zur Quelle: Quelle: Ingo Hasselbach/Winfried Bonengel, Die Abrechnung. Ein Neonazi steigt aus, Berlin: Aufbau-Verlag, 1993, Auszüge S. 1–9, 22–25, 40–47, 66–73 und 140–147.
Wesensverwandt mit der NSDAP. Das Aktionsprogramm der Sozialistischen Reichspartei (2025)
Wamhof, Georg
Kommentar zur Quelle: Quelle: Aktionsprogramm der Sozialistischen Reichspartei, verantwortl. Fritz Dorls, Druck: Funke-Drucke Velbert, o.D. [1949], Bundesarchiv B 104/7, Bl. 38 (Vorder- und Rückseite).
Antisemitismus der Neuen Rechten. Hans-Dietrich Sanders Die Auflösung aller Dinge (2025)
Weber, Fabian
Kommentar zur Quelle: Quelle: Hans-Dietrich Sander, Die Auflösung aller Dinge. Zur geschichtlichen Lage des Judentums in den Metamorphosen der Moderne, München: Castel del Monte [Eigenverlag], 1988, Auszug S. 161–177.
Die Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit (HIAG) und die Apologie der Waffen-SS. Paul Haussers Buchpublikation Soldaten wie andere auch (2025)
Wilke, Karsten
Kommentar zur Quelle: Quelle: Paul Hausser, Soldaten wie andere auch. Der Weg der Waffen-SS, Osnabrück: Munin-Verlag, 1966, S. 7–10, 229–230.
Die extreme Rechte und ihre Abwehr der Erinnerung. Die „Holocaust international“-Ausgabe der MUT (2025)
Lorenz, Oliver
Kommentar zur Quelle: Quelle: Holocaust international [Themenheft], MUT, H. 137, Januar 1979 (Artikel: Hans Hertel, Holocaust international, S. 9–13; Der Anfang vom Ende, S. 19–20; Ein Briefwechsel, S. 20–25).
Der Aufstieg der Holocaustleugnung. Thies Christophersens Die Auschwitz-Lüge (2025)
Bösch, Frank
Kommentar zur Quelle: Quelle: Thies Christophersen, Die Auschwitz-Lüge. Ein Erlebnisbericht, Mohrkirch: Kritik-Verlag, 1973, Auszüge S. 16–19 und 29–33.
Widerstand in Genf. Der lange Kampf um die Anerkennung indigener Rechte im Spiegel von Beatrice Weyrichs Fotografien (2026)
Müller, Angela
Zwischen 1981 und 2004 reiste die Zürcher Grafikerin Beatrice Weyrich (*1934) jedes Jahr nach Genf, um an einer Konferenz der UNO teilzunehmen. Hier kamen die Delegierten indigener Völker zusammen, um für ihre internationale Sichtbarkeit und Anerkennung einzutreten. Weyrich dokumentierte die Arbeit der Delegierten – und schuf so eine visuelle Gegenerzählung zu dominierenden stereotypen Darstellungen Indigener Nordamerikas. Ihre über 2500 Aufnahmen bilden ein visuelles Archiv des transnationalen indigenen Widerstands, das bisher in Forschung und Öffentlichkeit wenig Beachtung gefunden hat.
„24 Hours in Cyberspace.“ Was ein Fotoprojekt über das Internet im Jahr 1996 erzählt (2026)
Neuscheler, Nina
Im Jahr 1996 war das Internet ein verheißungsvoller Ort. Fotograf:innen hielten für das Projekt „24 Hours in Cyberspace“ fest, wie Menschen auf der ganzen Welt das neue Medium nutzten. Deutlich zeigen sich daran die euphorisch bejubelten Potenziale globaler Computernetzwerke – und auf den zweiten Blick auch deren Schattenseiten.
„Das Weite suchen“ – Eine Ausstellung in bildsprachlicher Stringenz (2026)
Tannert, Christoph
„Das Weite suchen“ ist ein genialer Titel, der die Sehnsucht nach Freiheit mit dem Grenzen überwindenden „Abhauen“ verknüpft – eine prägnante Zustandsbeschreibung des für viele Menschen komplizierten Prozesses der erträumten oder tatsächlichen Lebensumstellung vor und nach dem Point of no Return der DDR. Die unter diesen Vorzeichen erarbeitete Ausstellung ist nicht chronologisch aufgebaut, sie stellt vielmehr Fotografinnen und Fotografen, überwiegend mit DDR-Erfahrung, vor, die mit ihren Bildern bestimmte Lebensweisen im Zeitintervall zwischen Staatsbankrott und Übergangsmisere zu thematisieren versuchten. Das Beste an dieser Ausstellung ist, dass man an ihr die psychische und soziale Disposition mehrerer Generationen des Bildpersonals und einen allmählichen, facettenreichen Mentalitätswandel ablesen kann. Das Publikum sieht sich konfrontiert mit den fotografischen Erkundungen des Wendejahrzehnts zwischen 1983 und 1995, in das die Namen der Fotograf:innen, ihre Werke sowie prägnant formulierte Kurztexte in ein einfaches Stellwanddesign integriert werden.
You Look All the Same to Me. Perspektiven auf die Diane-Arbus-Ausstellung im Berliner Gropius Bau (2025)
Weber, Niklas
Mit weit aufgerissenen Augen schaut uns das Mädchen an. Aus seinem Blick spricht eine Ernsthaftigkeit, vielleicht auch Traurigkeit, die irritiert, weil das Kind kaum älter als zehn Jahre sein kann. Woher, fragt man sich beim Betrachten der Fotografie, rührt dieser Ernst, welchen traumatischen Erfahrungen mag er geschuldet sein? Fast wirkt es so, als schaue es weniger in die Kamera als in die Zukunft, und man wüsste nur allzu gerne, was aus ihm geworden und wie die Geschichte weitergegangen ist. Geschossen hat das Bild die amerikanische Fotografin Diane Arbus (1923-1971), die gerade mit einer großen Retrospektive im Berliner Martin-Gropius-Bau geehrt wird. Arbus gilt seit ihrem Freitod als Ikone der modernen Fotografie, bereits in den 1970er Jahren wurde ihr eine epochale Wirkung attestiert. Ihr Werk besteht zu einem großen Teil aus Schwarz-Weiß-Porträts von Unbekannten, die frontal in die Kamera blicken, so ungeheuer eindringlich und melancholisch, dass man sie nicht mehr aus dem Kopf bekommt.
Helden der Heimkehr. Eine Ausstellung des Berliner Dokumentationszentrums Flucht, Vertreibung, Versöhnung zeigt die nationalsozialistische Perspektive auf Flucht und Vertreibung (2026)
Weber, Niklas
Als die „Bremen“ am 30. August 1939, zwei Tage vor dem deutschen Überfall auf Polen, den Hafen von New York verlässt, ist auch der Fotograf Hanns Tschira (1899-1957) mit an Bord. In seinem Buch „Die Bremen kehrt heim. Deutscher Seemannsgeist und deutsche Kameradschaft retten ein Schiff“ schildert (und bebildert) der Bordfotograf das „Husarenstück“ der Flucht über den Atlantik, die von der nationalsozialistischen Propaganda als Triumph gefeiert wird. Der Held von Tschiras Erzählung ist Kapitän Adolf Ahrens (1879-1957), NSDAP-Mitglied seit 1934 und nach dem Krieg Bundestagsabgeordneter der Deutschen Partei (1949-1953). Seit Juli 2025 sind 140 Bilder Tschiras in einer Sonderausstellung des Dokumentationszentrums Flucht, Vertreibung und Versöhnung in Berlin zu besichtigen. Gezeigt werden die Fotografien, die Hanns Tschira und seine Assistentin Martha Maria Schmackeit im Januar 1945 von der Flucht der Bewohner des niederschlesischen Dorfes Lübchen gemacht haben. Tschiras Agentur wurde 1943 nach Lübchen evakuiert und versorgte das Propagandaministerium von dort wöchentlich mit Aufnahmen; die Fotografen waren also teilnehmende Beobachter des Flüchtlingstrecks, der nach etwa vier Wochen im Erzgebirge ankam.
Auflistungen von Fotografen, Redakteuren und Verlegern in der Bundesrepublik der 1950er Jahre. Materialien zum Artikel: Der „Stern“ und die Fotografie. NS-Kontinuität im (Bild-)Journalismus nach 1945? (2025)
Hartmann, Reiner
Um Vergleiche und Bewertungen von personellen Kontinuitäten im Bildjournalismus der Bildillustrierten „Stern“ im Beitrag von Reiner Hartmann „Der ‚Stern‘ und die Fotografie. NS-Kontinuität im (Bild-)Journalismus nach 1945“, erschienen am 3. Februar 2025 in Visual History, besser nachvollziehen zu können, werden hier mehrere aktuell (Stand: Januar 2025) in Bearbeitung befindliche Zusammenstellungen veröffentlicht. Weitere Bearbeitungsfortschritte sollen gegebenenfalls in unregelmäßigen Abständen zu einer Aktualisierung der Materialien führen. Es finden sich einerseits bisher schon bekannte Namen aus dem „Stern“, andererseits werden diese durch einen noch weiter zu erforschenden Personenkreis von Verlegern, Herausgebern, Redakteuren und Fotografen aus der damaligen zeitgenössischen illustrierten Presse ergänzt. Entsprechend der Frage, „Woher sollten die völlig unbelasteten Journalisten kommen?“, zeigen die Zusammenstellungen, dass die für den „Stern“ festgestellte personelle und inhaltliche NS-Kontinuität der (Bild-)Journalisten der 1950er Jahre im Verhältnis zu konkurrierenden Blättern keine Ausnahme bildete und zudem von stark wechselseitigen Fluktuationen geprägt war.
Gender Battles in Women’s Comics of the Second-Wave Feminist Era (2025)
Maynes, Mary Jo
Based on scholarship from across the disciplines, this article calls attention to examples of gender-themed comics from the era of second-wave feminism with the aim of bringing them into our thematic dossier’s wider discussion of “seeing” the history of women, gender, and sexuality through visual sources. I will suggest how a focus on women’s comics brings new perspectives to historians’ understanding of second-wave feminism, its origins, and its contestations. I will begin by looking at scholarship on some of the key moments in the production and reception of women’s comics in the U.S., putting this in comparative context by looking a few examples from France. I then discuss American feminists’ embrace of and objections to women’s comics, as well as rifts within the community of women comic artists and readers of comics. I will then briefly exemplify two themes that women comic artists explored – body image and motherhood – pointing to the complicated place of these themes in relationship to the broader feminist critique. I will end with a brief note on legacies of and pushbacks against second-wave feminism as they appear in the realm of comics.
Zeitschichten und Pluritemporalität in der Geschichtskultur (2026)
Welche Auswirkungen hat es, Geschichte in »Zeitschichten« wahrzunehmen, zu lokalisieren und darzustellen? Die Zeitschichten-Metapher Reinhart Kosellecks hat nicht nur im Feld der Geschichtstheorie vielfältige Inspirationen für die Bestimmung des Verhältnisses von Zeit, Raum und Geschichte geliefert. Auch in der Erinnerungskultur seit den 2000er Jahren ist sie immer wieder praktisch aufgegriffen worden: Archäologische Fenster in Innenstädten und Gedenkstätten lassen den Blick in die Vergangenheit zu, Archäologie verwandelt die jüngste Zeitgeschichte in einen Ausgrabungsort und verortet Erinnerungen und Ereignisse in tieferliegenden, verschütteten Schichten. Die Denkmalpflege präpariert Zeitschichten heraus, um Bau- und Nutzungsphasen sichtbar zu machen. Museen ebenso wie Städte, Landschaften und Erinnerungsorte werden als pluritemporale Gefüge begriffen, in denen anhand verschiedener Zeitschichten unterschiedliche Epochen und politische Regime abgelesen werden. Aus dem Inhalt: Ulrike Jureit: Erfahrungsschichten? Überlegungen zu einem metaphorischen Missverständnis. Christoph Bernhardt: Sedimente der Stadt. Eine transdisziplinäre Erkundung. Jutta Helbig: Naturgeschichte ohne Dramaturgie: Museum für Naturkunde Berlin.
Zu diesem Heft (2025)
Kirsch, Jan-Holger
»Wir wollen leben / nicht verrecken«, lautete eine Parole bei der Großdemonstration vom 23. Januar 1948 in München, die auf dem Cover dieser Ausgabe zu sehen ist. Die außergewöhnliche Dürre des Sommers 1947 führte im anschließenden Winter zu einer Ernährungskrise mit erheblichen sozialen und politischen Folgen, denen Victor Jaeschke in seinem Aufsatz am Beispiel der Bizone nachgeht. Die US-amerikanische und die britische Militärregierung im besetzten Deutschland hatten die Situation zunächst unterschätzt. Der Mangel an Saatgut, Futtermitteln und Dünger, an Wasser für Landwirtschaft, Kraftwerke und Feuerwehren sowie die schlechten Ernten des Jahres 1947 (nicht nur in Deutschland) ließen eine Hungerkatastrophe befürchten, schufen Verteilungskonflikte und gefährdeten die Legitimation der Besatzungsmächte. Durch massive US-amerikanische Lebensmittelimporte vor allem ab Dezember 1947 konnte die Not etwas gelindert werden, aber zum Zeitpunkt der abgebildeten Demonstration war die Lage weiterhin bedrohlich. Jaeschkes Aufsatz trägt nicht nur Neues zur Geschichte der alliierten Besatzungspolitik in Deutschland bei. Er lenkt den Blick auch darauf, dass die Erfahrungen von »Hungerwinter« und »Dürresommer« in der frühen Nachkriegszeit bereits wissenschaftliche Diskussionen über eine mögliche »Klimawende« in Europa auslösten. Wegen der offenkundigen Aktualität dieses Themas plädiert er dafür, Dürren und den politischen Umgang mit ihnen zeithistorisch breiter zu erforschen.
In this issue (2025)
Kirsch, Jan-Holger
›We want to live / not to die like dogs‹ was one of the slogans chanted at a large demonstration in Munich on 23 January 1948, which is depicted on the cover of this issue. The exceptional drought of the summer of 1947 led to a food crisis in the following winter with considerable social and political consequences, which Victor Jaeschke examines in his article using the example of the Bizone. The American and British military governments in occupied Germany initially underestimated the situation. The shortage of seeds, animal feed and fertiliser, water for agriculture, power stations and fire brigades, as well as the poor harvests of 1947 (not only in Germany) gave rise to fears of a famine, created distribution conflicts and jeopardised the legitimacy of the occupying powers. Massive US food imports, especially from December 1947 onwards, alleviated the hardship somewhat, but at the time of the demonstration depicted on the cover, the situation remained dire. Jaeschke’s article not only contributes new insights into the history of Allied occupation policy in Germany; it also draws attention to the fact that the experiences of the ›hunger winter‹ and ›drought summer‹ in the early post-war period already triggered scientific discussions about possible ›climate change‹ in Europe. Because of the obvious topicality of this issue, Jaeschke argues for broader research into droughts and how they were dealt with politically in contemporary history.
»Jahrhundertstimmen«. Eine Sammlung von Tondokumenten als Quellen der deutschen Zeitgeschichte (2025)
Morat, Daniel
Vor knapp 40 Jahren hat Friedrich Kittler die »technische Ausdifferenzierung von Optik, Akustik und Schrift« durch Grammophon, Film und Typewriter um 1880 zur Epochenschwelle erklärt, mit der die Gutenberg-Galaxis der hegemonialen Schriftkultur an ihr Ende gekommen sei. Mit Thomas Lindenberger lässt sich dieses Ende der Gutenberg-Galaxis zugleich als der eigentliche Beginn der Zeitgeschichte verstehen, die dank der optischen und akustischen Zeit-Speicher-Medien epistemologisch auf einer anderen Grundlage stehe als die Geschichtsschreibung früherer Epochen. Nicht zuletzt in dieser Zeitschrift ist die »Herausforderung [der Zeitgeschichte] durch die audiovisuellen Medien« seitdem vielfach diskutiert und zum Ausgangspunkt der Geschichtsforschung gemacht worden. Dabei lässt sich jedoch eine gewisse Schieflage zugunsten der visuellen Medien nicht verkennen. Auch wenn sich die Sound History in den vergangenen Jahren zunehmend als eigenes Forschungsfeld innerhalb der Geschichtswissenschaft etabliert hat, kann man konstatieren, dass der quellenkritische Umgang mit historischen Tondokumenten bisher nicht die gleiche Aufmerksamkeit erhalten hat wie derjenige mit historischen Fotografien oder anderen Bildmedien. Die Publikation einer umfangreichen Sammlung von Tondokumenten in zwei Boxen mit insgesamt sieben MP3-CDs, 842 Tracks und knapp 64 Stunden Gesamtlaufzeit unter dem Titel »Jahrhundertstimmen« gibt nun die Gelegenheit, sich auf eine auditive Spurensuche durch das ganze 20. Jahrhundert zu begeben und vor dem Hintergrund der medienhistorischen Diskussionen der letzten Jahre nach dem Stellenwert von Tondokumenten als Quellen der (deutschen) Zeitgeschichte zu fragen.
Der Blick vom Rande. Dan Diners eigenwillige Universalgeschichte Europas (1999) (2025)
Reinkowski, Maurus
Aus meiner erstmaligen Lektüre von Dan Diners Buch »Das Jahrhundert verstehen«, das ich wohl zu Beginn der 2000er-Jahre las, ist mir die einleitende Bemerkung des Autors in Erinnerung geblieben, die Geschichte Europas im 20. Jahrhundert sei besser zu fassen, wenn der Blick von der Potemkinʼschen Treppe in Odessa nach Süden und Westen streife. Der besondere Klang Diners ist mir ebenfalls im Ohr geblieben: viele prägnante Formulierungen, aber manchmal komplizierte Sätze – fast bis zur Unverständlichkeit. Die erneute Lektüre des Buches lässt der Treppe von Odessa ihren Wert als anschauliches Bild, aber die Botschaft tritt nun, nach 25 Jahren mehr an eigener Leseerfahrung und im Wissen um spätere Ereignisse, deutlicher hervor.
Sowjetische Perspektiven unzensiert. Über Wassili Grossmans Roman »Stalingrad« (2025)
Schwartz, Matthias
Wassili Grossmans Roman »Stalingrad« ist ein besonderes literarisches und historisches Dokument. Dem deutschen Lesepublikum eröffnet das Werk erstmals in einer für die Entstehungszeit erstaunlichen Vielstimmigkeit, Drastik und Breite Zugang zu sowjetischen Erfahrungshorizonten und Sichtweisen auf Stalingrad. Als Kontrastfolie zum Kult um die Schlacht in Putins Russland und zur nationalpatriotischen Instrumentalisierung des »Großen Vaterländischen Krieges« für den Krieg gegen die Ukraine hat der Roman außerdem eine unmittelbare Aktualität. Und nicht zuletzt handelt es sich hier um ein literarisches Zeugnis der jüdischen Geschichte.
Alltagshilfe für tschechoslowakische Migrant:innen. Funde im Nachlass des Sozialdemokraten Ludwig Kolin (1924–2010) in Wien (2025)
Anders, Klaas
Im Zuge der Recherchen zu meiner Dissertation klingelte ich im März 2023 im 8. Wiener Gemeindebezirk an einer unscheinbaren Haustür. Drinnen lagerten, im Keller der Wohnanlage, mehrere Aktenordner und unzählige Bücher: ein kleiner Teil des Erbes des Bibliotheksvereins »Jirásek« und damit des Lebenswerks des Bibliotheksvorsitzenden und Sozialdemokraten Ludwig Kolin. Das Material befand sich zu diesem Zeitpunkt in einem Übergangszustand zwischen einer projektfinanzierten Lagerung im »Forschungszentrum für historische Minderheiten« (angeschlossen an das Volkskundemuseum Wien) und seiner neuen Heimat im Schulverein »Komenský«. In den darauffolgenden Stunden arbeitete ich mich in dem kalten Keller frierend, aber begeistert durch das Material, das besondere Einblicke in die Lebenswelt tschechoslowakischer Migrant:innen in Wien ermöglicht. Den Bestand und seinen Urheber möchte ich hier vorstellen.
Zeugen eines Austauschs. Denkmäler Vadim Sidurs in Westdeutschland (1974–1993) (2025)
Murphy, Charlotte Adèle
Dieser Beitrag untersucht anhand von drei Plastiken des sowjetischen nonkonformistischen Bildhauers Vadim Sidur (1924–1986), die zwischen 1974 und 1993 in der Bundesrepublik Deutschland und in West-Berlin als Denkmäler aufgestellt wurden, wie Sidurs Werke über den Eisernen Vorhang reisten. Mit Hilfe von Archivmaterial, Egodokumenten und Interviews werden die politischen und kulturellen Bedingungen der Aufstellung analysiert. Die Rezeption von Sidurs Arbeiten durch westdeutsche Atelierbesucher:innen in der UdSSR und an den Aufstellungsorten in der Bundesrepublik zeigt, wie diese Werke im Kontext von Diskussionen zu Nationalsozialismus, Holocaust-Gedenken und Kaltem Krieg interpretiert wurden. Sidurs Plastiken bewegten sich nicht nur physisch über geographische Grenzen hinweg, sondern erfuhren durch diesen Transfer auch einen Bedeutungswandel. Die Analyse eröffnet neue Perspektiven auf transnationale, inoffizielle Kulturbeziehungen während des Kalten Krieges und der frühen 1990er-Jahre. Zudem erinnert der Beitrag an einen in der Ukraine geborenen Künstler, dessen Auseinandersetzung mit Krieg und Gewalt heute neues Interesse findet.
Hilfe für Gewaltregime? Die bundesdeutsche Militärkooperation mit Ruanda (1962–1994) (2025)
Konopka, Torsten
Seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland nehmen alle Bundesregierungen für sich in Anspruch, eine auf Frieden ausgerichtete Politik zu verfolgen. In Zeiten des Ost-West-Konflikts unterstützten sie in Afrika, Asien und Lateinamerika häufig aber auch autokratisch oder diktatorisch regierte Staaten mit fragwürdiger Menschenrechtsbilanz – darunter das seit 1962 unabhängige Ruanda. 1994 ließ dort eine verbrecherische Elite Hunderttausende Tutsi ermorden. Die Bundesregierung hatte die am Genozid beteiligte ruandische Armee zwischen 1978 und 1994 durch eine Bundeswehr-Beratergruppe in Kigali unterstützt. Schon zuvor hatte es Ausrüstungs- und Ausbildungshilfen gegeben. Die Auswertung kürzlich offengelegter Ministerial­akten zeigt allerdings, dass die Bundesministerien weniger an einer Effizienzsteigerung der ruandischen Streitkräfte oder an einer Demokratisierung interessiert waren. In der Logik des Ost-West-Konflikts versuchten sie mit geringen Ressourcen gute Beziehungen zu pflegen und sich Rückhalt für eigene Positionen zu sichern. Aufgrund außenpolitischer Abwägungen hielt die Bundesregierung auch nach 1990 an der Militärkooperation fest. Von der Eskalation zum Genozid wurde sie überrascht.
»Keine Zeit für Abenteuer« (ZDF 1970). Eine Fernsehserie und der Wandel der bundesdeutschen Entwicklungsdebatte (2025)
Kuchenbuch, David
Im Sommer und Frühherbst 1970 strahlte das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) 13 Folgen einer Serie aus, die die Arbeit fiktionaler westdeutscher Entwicklungshelferinnen und -helfer in Brasilien darstellte. In entwicklungspolitischen Kreisen stieß die Serie aufgrund ihrer stereotypen Behandlung des Themas auf erhebliche Kritik. Aber auch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) suchte sich von der Sendung zu distanzieren, die seine Presse- und Öffentlichkeitsabteilung selbst mit angeregt und finanziell gefördert hatte, um für die Entwicklungshilfe zu werben. Der Aufsatz stellt die Inhalte der Serie dar und untersucht davon ausgehend die Motive hinter der ungewöhnlichen Kooperation. Dabei liegt der Fokus auf den Akteuren im BMZ, die die für sie neuartige Zusammenarbeit mit Fernsehleuten als Kontrollverlust erlebten. Die Analyse der TV-Produktion verdeutlicht zugleich den raschen Wandel in der bundesrepublikanischen Bewertung des Developmentalism. Dieser Wandel lässt sich auf die Entwicklungspraxis selbst zurückführen, aber auch auf globalhistorische Zäsuren der 1970er-Jahre.
Homosexuelle vor Gericht. Strafverfolgung in den 1950er- und 1960er-Jahren: Das Beispiel Frankfurt am Main (2025)
Zinn, Alexander
Die 1950er-Jahre werden oft als eine Zeit gesellschaftlicher »Restauration« betrachtet, in der Sexualität massiv unterdrückt worden sei. Als ein Beleg dafür wird die fortgesetzte polizeiliche und gerichtliche Verfolgung Homosexueller genannt, für die das »Dritte Reich« erst mit der Strafrechtsreform von 1969 ein Ende gefunden habe. Weniger Beachtung findet, dass sich viele Mediziner und Juristen schon in den frühen 1950er-Jahren für eine Reform des Paragraphen 175 des Strafgesetzbuches starkmachten, der homosexuelle Handlungen unter Männern mit Gefängnis bedrohte. Welche Auswirkungen die Reformdebatte auf die Praxis der Strafverfolgung hatte, wird in diesem Aufsatz anhand von 1.526 Urteilen untersucht, die Frankfurter Gerichte in den Jahren 1946 bis 1965 fällten. Dabei zeigt sich, dass die Gerichte die »einfache« Homosexualität unter Erwachsenen tendenziell immer milder beurteilten, während die »schweren« Fälle sogenannter »Jugendverführung« weiterhin streng verfolgt wurden. Dies spricht dafür, die 1950er- und 1960er-Jahre nicht nur als eine Zeit neuerlicher Repression zu betrachten, sondern auch als eine Phase des Umbruchs und der allmählichen Liberalisierung.
Vom Wassermangel zur Westbindung. Die Dürre von 1947 in der Bizone und das deutsch-amerikanische Verhältnis (2025)
Jaeschke, Victor
Die Dürre von 1947 war nicht nur eine der extremsten Wetteranomalien der mitteleuropäischen Neuzeit, sondern auch ein von der Forschung bisher unterschätzter Faktor der frühen deutschen Nachkriegsgeschichte. Analysiert werden hier die sozioökonomischen Folgen der Trockenperiode, die im Süden Deutschlands am größten waren, und die politischen Reaktionen darauf – von Besatzungsbehörden, Bizonen-Verwaltung, bayerischer Landesregierung und landwirtschaftlichen Interessengruppen. Massive Ernteausfälle ließen eine humanitäre Krise befürchten, doch entschied sich die US-Regierung vor dem Hintergrund des beginnenden Kalten Krieges im letzten Moment für umfangreiche Hilfslieferungen. Die Dürre trug auch zur Neuorientierung der westalliierten Deutschlandpolitik bei. Damit die Besatzungsmächte nicht erneut für kostspielige Lebensmittellieferungen aufkommen mussten, sollten die Deutschen rasch mehr Verantwortung für ihre Selbstorganisation erhalten. Die politischen Reaktionen auf die Dürre in Westdeutschland werden abschließend mit der damaligen Situation in anderen Regionen und Ländern Europas verglichen. Dabei ergeben sich auch weiterführende zeithistorische Perspektiven auf die Klimaforschung.
Fotobuch: Ukraine 2004-2024: Wir hatten ein normales Leben. Eine Rezension (2025)
Hoffmann, Hans Hugo
Normalität ist kein statisches Konzept. Oft bemerken wir erst im Rückblick, wie unmerklich sich unser Wertekompass verschoben hat. Die Normalität von gestern entspricht selten jener von heute. Wir erleben das gegenwärtig in aller Deutlichkeit in der Ukraine. Der nächtliche Luftalarm ist irgendwann wie das plötzliche Brummen des Kühlschranks – ein Geräusch, das man registriert, aber nicht mehr hinterfragt. Man kann ja nicht jede Nacht runter in den Keller. Ich habe das in der Ukraine selbst erlebt. Wenn man das realisiert, dann ist das der Moment, in dem sich das Unfassbare mit dem Gewöhnlichen verbindet und eine neue, irritierende Normalität bildet. Deshalb ist dieses Buch so wichtig: Es dokumentiert jene alte Normalität, die es in Charkiw, Lwiw, Kyjiw oder Odessa einmal gab – und setzt sie in Beziehung zu der neuen Normalität, die seit 2014 und besonders seit 2022 in der Ukraine Realität geworden ist.
Strukturpolitik und Subventionen. Debatten und industriepolitische Entscheidungen in der Bonner Republik (2022)
Ahrens, Ralf
Marktwirtschaft, Wissenschaft und politische Intervention: die staatliche Stützung der bundesdeutschen Industrie nach dem »Wirtschaftswunder«. Mit dem Abflauen des Nachkriegsbooms in den 1960er Jahren geriet die bundesdeutsche Industrie unter verstärkten Anpassungsdruck. Zunehmende Rufe nach staatlicher Unterstützung resultierten in Subventionen, die zur Dämpfung von Deindustrialisierungskrisen ebenso eingesetzt wurden wie zur Förderung von Branchen, die als besonders zukunftsfähig galten. Die Etablierung eines neuen Politikfelds namens »Strukturpolitik« sollte diese Eingriffe in den wirtschaftlichen Strukturwandel gleichzeitig legitimieren und begrenzen. Forderungen nach einem drastischen Subventionsabbau standen jedoch in den 1970er und 1980er Jahren zunehmende Leistungen an die Industrie gegenüber. Das Feld blieb von Aushandlungsprozessen zwischen Politik und Wirtschaft sowie von einem Spannungsverhältnis zwischen wissenschaftlicher Politikberatung und pragmatischer Praxis geprägt. Ralf Ahrens analysiert die Debatten über Legitimität und Formen industriepolitischer Intervention bis zum Ende der »alten« Bundesrepublik. In Fallstudien zur Stahlindustrie, zum Flugzeugbau und zur Computerindustrie zeigt er, dass die Subventionierung über Regierungswechsel hinweg vor allem von Branchenkonstellationen bestimmt war.
Roma und Sinti darstellen. Fotografische Konstruktionen in Zeitungen und Zeitschriften der Zwischenkriegszeit 1918-1939/40 (2025)
Holzer, Anton
Das Forschungsprojekt des Fotohistorikers Anton Holzer untersucht am Beispiel der illustrierten Presse, wie die größte Minderheit im Europa in Fotografien inszeniert wurde. Das Projekt wird vom österreichischen Wissenschaftsfonds FWF unterstützt und am Institut für europäische Ethnologie der Universität Wien durchgeführt.
Putting images to work - gender and the visual archive. Introduction (2025)
Benninghaus, Christina ; Maynes, Mary Jo
As cultural products, images are infused with notions of gender – notions, which are, of course, specific to the times and places in which these images originate. For gender historians, they are fascinating artefacts, but often also frustratingly difficult to interpret. This dossier presents the work of historians who look at gender through visual sources. The contributors engage with a wide variety of visual sources (including book illustrations, posters, photographs, and comics) to explore gender history in a range of places and moments in time. Our aim is to examine how historical actors have used images as they negotiate gender, and how we as historians can incorporate these images into our analyses of gender history. Not surprisingly we have discovered that working with images as historians is complicated – even more complicated than working with more conventional text-based sources – but that it is also fascinating and fun. So, we still want to do it!
Original Ostblock. Der Staatssozialismus in touristischen Stadtführungen (2025)
Stach, Sabine
Geschichte wird zunehmend als Erlebnis konsumiert. Für den Geschichtstourismus gilt dies in besonderem Maße. Was passiert konkret, wenn lokale Vergangenheit an ein internationales Publikum verkauft wird? Sabine Stach geht dieser Frage anhand eines zentralen touristischen Formats - der Stadtführung - nach. Am Beispiel der immer beliebteren »communism tours« untersucht sie, wie das Erbe des Kalten Kriegs in Warschau, Prag und Bratislava für Tourist:innen gedeutet und als authentisches Erlebnis inszeniert wird. Mit ethnographischem Blick nähert sich die Autorin dem Zusammenspiel von Reisenden, Guides und Stadtraum und zeigt, wie die jüngere Geschichte der verschiedenen Orte durch Interaktionen und performative Elemente »begehbar« wird. Indem die Arbeit Perspektiven der Memory und Heritage Studies mit Ansätzen der Tourismusforschung kombiniert, beleuchtet sie das komplexe Verhältnis zwischen lokalem Wissen, transkulturellen Erinnerungen, touristischen Bedürfnissen und ökonomischen Logiken. Die Kommunismustouren, die den Staatssozialismus teils humorvoll, teils kritisch inszenieren, offenbaren damit viel mehr als oberflächliche Unterhaltung: Sie erhellen die Dynamik, mit der Geschichte im Zeitalter des Massentourismus kommuniziert und konsumiert wird.
Rezension: Lorenz, Nachbilder. Rostock-Lichtenhagen und die blinden Flecken der Erinnerung (2025)
Henningsen, Johann
Ein Mann im Trikot der deutschen Fußballnationalmannschaft, mit sichtbar eingenässter Jogginghose, den rechten Arm unzweideutig erhoben: Diese ikonische Fotografie ist eines der bekanntesten Bilder des rassistischen Pogroms in Rostock-Lichtenhagen, bei dem im August 1992 hunderte Gewalttäter über mehrere Tage Arbeitsmigrant:innen aus Vietnam und Asylsuchende im sogenannten Sonnenblumenhaus angriffen. Der Literaturwissenschaftler Matthias N. Lorenz verwendet die Aufnahme als Frontmotiv und Ausgangspunkt für seine Analyse der visuellen Erinnerung an die rechte Gewalt der deutschen Transformationszeit. Der schmale Band erscheint in der Reihe „Bildfäden“ des 2021 in Berlin gegründeten Schlaufen Verlags. Das Buch argumentiert zwar essayistisch zugespitzt, aber durchgehend wissenschaftlich und ist mit einem umfangreichen Fußnotenapparat ausgestattet.
Customs and declarations: Research strategies for uncovering the hidden history of a black woman photographer (2025)
Mooney, Amy M.
For this article, I would like to present the process of my becoming aware of the work of Charlotte Paige Carroll, an African American woman photographer active in Chicago during the 1920s-1940s. This period, notably marked by the Harlem Renaissance – a flourishing of African American art and culture – fostered a modern Black subjectivity known as the “New Negro”. More of an international movement of Black consciousness than a phenomenon that was limited to a particular geography, the Harlem Renaissance promoted a period of cultural growth, economic investment and political agency. It is within this context that Carroll, with her partner J.C. Schlink, owned and operated Electric Studio. Electric Studio’s photographs were published in nationally circulating newspapers and magazines, and aspects of Carroll’s life were chronicled in the Black media of the day, yet despite the significant contributions of Carroll or Electric Studio their extensive efforts do not appear in the chronicle of photography’s history. For numerous reasons this absence is a history in and of itself that necessitates careful consideration in both methodology and approach.
Gendered bodies on Soviet posters, 1917-1924. The visual representation of backwardness (2025)
Wood, Elizabeth A.
In this essay, I explore the visual representation of that backwardness. For revolutionaries of all stripes, a core value in the revolution was overcoming Russia’s backwardness. In Russian it literally meant “lagging behind” [otstalost], but it had a wide compass to include illiteracy, superstition, drunkenness, syphilis, lack of culture, and lack of political engagement. I ask how early Soviet artists conveyed this backwardness – especially as synonymous not only with ignorance, but also with “darkness” and a lack of revolutionary consciousness. How did they compose posters for the masses in those early years of Soviet power, especially during the extensive civil and national wars of 1917-1921? How and why was gender such an important part of that visual imagery?
Ambiguous representations of gender in late eighteenth- and early nineteenth-century illustrations in German children’s literature (2025)
Bruce, Emily C.
My analysis of ambivalent representations of gender and sexuality in children’s book illustrations centers on publications for middle-class German readers between 1776 and 1845 – a somewhat overlooked yet foundational milieu of modern children’s literature. I have found that these images at times invoke hegemonic ideas about gender while at others deviate from those norms – occasionally even within the same text. Materials created explicitly for children and youth offer special insight into ideologies such as those that structure gender and sexuality. This is true both because they can be more heavy-handed in their ideological messages – with a mind toward what is appropriate for the child viewer – but also because they remind us of the limits of didacticism when we consider the young reader’s/viewer’s unpredictable response. Thus, ambiguity is itself a characteristic of the gendered values presented in children’s books. At various historical moments, children’s illustrations upheld expectations of adult visual culture while breaking or sidestepping others.
Postkolonialer Partner? Die deutsch-togoischen Beziehungen 1960-1993 (2025)
Seefelder, Stefan
Die deutsch-togoischen Beziehungen nach 1960 werden erstmals eingehend untersucht. In den 1880er Jahren errichtete das wilhelminische Kaiserreich ein »deutsches Schutzgebiet Togo«, das seinerzeit als »Musterkolonie« galt. Dieser Mythos wirkte auch lange nach dem Ende der deutschen Herrschaft 1914 bis in die 1980er Jahre fort. Welche Beziehungen die Bundesrepublik und Togo vor diesem Hintergrund nach 1945 aufbauten, war dennoch bislang kaum erforscht. Stefan Seefelder zeigt erstmals, wie Togo zum Experimentierfeld der Entwicklungshilfe und einer eigenständigen Außenpolitik der Bundesrepublik im Globalen Süden wurde. Anhand zahlreicher Akten aus deutschen, togoischen und ghanaischen Archiven bietet der Autor einen fundierten Einblick in den deutsch-togoischen Austausch von der Unabhängigkeit 1960 bis zur Einstellung der diplomatischen Beziehungen 1993. Dabei werden sowohl die gemeinsamen politischen und wirtschaftlichen Interessen als auch die Herausforderungen und das Scheitern vieler Kooperationen deutlich. Fallstudien zur Entwicklungshilfe, zur Infrastruktur der Hauptstadt Lomé und zur Rolle Togos im Ost-West-Konflikt vertiefen das Verständnis für die vielschichtigen Dynamiken dieser Beziehungen.
Historische Parlamentarismusforschung (2025)
Biefang, Andreas ; Geppert, Dominik
Die Historische Parlamentarismusforschung beschäftigt sich mit den modernen Repräsentativsystemen, die seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert entstanden sind. Der folgende Artikel wird in einem ersten Abschnitt Grundsätzliches wie Definition und Reichweite des modernen Parlamentarismus behandeln, während im zweiten Abschnitt wichtige Themen der historischen Parlamentarismusforschung vorgestellt werden.
Frauen in Bewegung. Politische Räume von Migrantinnen aus der Türkei in West-Berlin (2025)
Kimmerle, Elisabeth
Wie Frauen aus der Türkei ihre politischen Handlungsspielräume zwischen West-Berlin und der Türkei erweiterten - eine neue Perspektive auf Migration, Geschlecht und politische Bewegungen. Migration hat die deutsche Gesellschaft tiefgreifend verändert. Wenig Beachtung als politische Akteurinnen fanden bislang Frauen, die seit den 1960er Jahren auch aus der Türkei zur Arbeit nach Westdeutschland kamen. Dabei waren Migrantinnen oft treibende Kräfte sozialen und politischen Wandels. Ob Vereinbarkeit von Lohnarbeit und Familie, kommunales Wahlrecht oder eigenständiges Aufenthaltsrecht: Migrantinnen brachten Themen auf die politische Agenda, die geltende Konzepte von Arbeit, Geschlecht und Staatsbürgerschaft in Frage stellten. Elisabeth Kimmerle untersucht am Beispiel von West-Berlin, wie Migrantinnen aus der Türkei für ihre Rechte kämpften. Entlang sozialer Räume wie der Fabrik, dem Frauenwohnheim, der Straße und Frauenläden zeichnet sie den Wandel migrantischer Selbstorganisation zwischen 1961 und 1989 aus transnationaler und geschlechtergeschichtlicher Perspektive nach. Anhand zahlreicher Archivquellen und Interviews mit Zeitzeuginnen werden deren Erfahrungen und politische Räume jenseits von Parteien und Gewerkschaften sichtbar. Diese intersektionale Perspektive auf Migration und Geschlecht bietet neue Einblicke in die Geschichte migrantischer Kämpfe und zeigt, wie das »Private« in der Einwanderungsgesellschaft zum Politischen wurde.
Grüße aus dem „Stammlokal der Spießbürger“. Eine Kreuzberger Ansichtskartensammlung um 1900 zwischen Medien- und Sozialgeschichte (2025)
König, Jana ; Schenk, Teresa
Anlass und Gegenstand dieses Aufsatzes ist eine außergewöhnliche „Sammlung in der Sammlung“. Im Jahr 2022 wurde dem FHXB Friedrichshain-Kreuzberg Museum in Berlin ein Nachlass übergeben: das Lebenswerk des Privatsammlers Peter Plewka (1938-2022), der über 5600 historische Ansichtskarten seines Heimatbezirks Kreuzberg zusammentrug. Die Karten stammen aus den Jahren 1890 bis 1945 und zeigen nicht nur touristische Motive, sondern mehrheitlich Fotografien von Hausfassaden, Straßenzügen und Geschäften.
Historische Biografieforschung (2025)
Harders, Levke
Jetzt in einer aktualisierten Version 2.0: Biografie ist ein literarisches und wissenschaftliches Genre, das erst durch theoretische und methodische Reflexionen zu einem konzeptionellen Ansatz der Geschichtswissenschaft wird. Levke Harders beginnt ihren Beitrag mit einer Übersicht zur Entwicklung der Biografik in den (deutsch- und englischsprachigen) Geschichtswissenschaften, thematisiert anschließend die Popularität (sowie die Grenzen) des Genres und stellt einige aktuelle Forschungsfelder der Biografik vor, die sich „neuen“ Subjekten und Themen widmen.
Dimension und wissenschaftliche Nachprüfbarkeit politischer Motivation in DDR-Adoptionsverfahren, 1966-1990 (2018)
Lindenberger, Thomas ; Arp, Agnès ; Gebauer, Ronald ; Warnecke, Marie-Luise
Vorstudie im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Im Sinne einer Machbarkeitsstudie liefert diese Vorstudie somit ein Gerüst forschungskonzeptioneller und praktischer Überlegungen, die einer umfangreichen wissenschaftlichen Untersuchung von politisch motivierten Adoptionsverfahren in der DDR zu Grunde zu legen sind.
Jahresbericht 2024 (2025)
Jahresbericht 2014 (2015)
Amidst Wind and Sky: An Interview with Amanullah Mojadidi (2025)
Elcheikh, Zeina
Amanullah Mojadidi is an American conceptual artist and curator of Afghan descent. His parents left Kabul in the late 1960s, long before the country became a battleground of never-ending conflicts. One of three siblings, Amanullah is the only one who has ever visited Afghanistan. He wanted to connect with the birthplace of his ancestors. For over 15 years, Mojadidi has worked as a conceptual artist in the field of art and culture within the international development sector. With a background in cultural anthropology, his research and artistic practice have used experimental ethnographic approaches and mixed-media techniques. Through site-specific installations and participatory performances, he approaches themes such as belonging, conflict, religion, identity, migration, and the politics of representation – often concerning Afghanistan.
Ausstellung „Bizzare Normality“. Über das Leben im ukrainischen Lwiw zwischen Normalität und Krieg (2025)
Hoffmann, Hans Hugo ; Kuhr-Korolev, Corinna
Die zwischen April 2023 und April 2025 entstandene Fotoserie des Künstlers Hans Hugo Hoffmann untersucht die Ambiguität des Alltags von Künstler:innen und Kreativen in Lwiw in der Ukraine. Derzeit sind die Fotos im Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF) ausgestellt. Die ZZF-Mitarbeiterin und Osteuropa-Historikerin Corinna Kuhr-Korolev sprach mit dem Fotografen über seine Motivation, für dieses Projekt in die Ukraine zu fahren, und darüber, was er außer den Fotos von dort für sich mitgenommen hat.
Räume voller Erinnerungen. Erfahrungsberichte über ein studentisches Interviewprojekt in der brandenburgischen Provinz (2020)
Eckert, Josephine ; Köhler, Thomas ; Lutz, Sophie ; Ziegelitz, Freya
Im Jahr 2006 eröffnet, bietet das DDR-Geschichtsmuseum im Dokumentationszentrum in der brandenburgischen Kleinstadt Perleberg eine Fülle an Anschauungsmaterial aus und über das Leben in der DDR. Das Pfarrerehepaar Gisela und Hans-Peter Freimark begann bereits in den 1980er-Jahren damit, Objekte zu sammeln, die das politische System aber auch den Alltag der DDR dokumentieren sollen. Insbesondere das oppositionelle Engagement der Freimarks, die sich als Pfarrer und Gemeindehelferin in der DDR entschieden für Frieden und Abrüstung einsetzten und sich somit der SED widersetzten, ist mit zahlreichen Fotos und Gegenständen in der Ausstellung dargestellt. Vier Studierende der Public History der Freien Universität Berlin und ein zweiköpfiges Filmteam der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe digitalisierten und bewahrten in einem Dokumentations- und Interviewprojekt das Wissen über die Ausstellung des DDR-Geschichtsmuseums in Perleberg. Insbesondere die Biografie des Pfarrerehepaars Hans-Peter und Gisela Freimark, die die Ausstellung initiierten und bis heute leiten, stand im Mittelpunkt dieses Projektes. Die Projektgruppe wurde von Irmgard Zündorf vom Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung unterstützt. Gefördert wurde das Projekt durch die Beauftragte des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur. Im Verlauf der Monate März und April 2020 fanden die Interview- und Dreharbeiten in Perleberg statt. Ziel des Projekts ist die Entwicklung einer digitalisierten Führung durch das Museum. Teil II des Projektes befindet sich derzeit in der Realisierung.
Privatfotografien der „Dritten Generation Ostdeutschland“ in der historisch-politischen Bildungsarbeit (2025)
Gatter, Sven ; Lorenz, Kerstin ; Pohlmann, Natascha
Fotografien faszinieren, irritieren oder werfen Fragen auf. Sie transportieren Informationen und erzeugen Erinnerungen. In pädagogischen Kontexten sind sie daher seit Langem ein beliebtes Medium der Annäherung an Geschichte. Auch im Rahmen des Pilotprojekts „Ich sehe was, das du nicht siehst – Bilder vom Erwachsenwerden in zwei politischen Systemen“ wurde das Potenzial des Mediums Fotografie für die Bildungsarbeit aktiviert, insbesondere für eine Auseinandersetzung mit der deutschen Teilungs- und Vereinigungsgeschichte.
Gewichtiges Zeitdokument in Wort und Bild. Rezension: Siegfried Wittenburg: Ein Leben als Drahtseilakt (2025)
Lindner, Bernd
Der großformatige Text-Bildband wiegt 2,6 Kilogramm und ist 480 Seiten stark. In ihm lässt der jetzt 72-jährige Fotograf Siegfried Wittenburg, der heute in Sanitz bei Rostock lebt, in Wort und Bild sein Leben Revue passieren. Schreibende Fotografen sind in der Historie der ostdeutschen Fotografie eher eine Ausnahme. Das gilt nicht für Wittenburg. Er verfasste bereits zwischen 2010 und 2012 insgesamt 26 Beiträge für das Zeitgeschichtsportal einestages von „Spiegel Online“, in denen er – flankiert von rund 500 eigenen Fotografien – launig und humorvoll über den Alltag in der DDR berichtete.
Jahresbericht 2023 (2024)
Jahresbericht 2022 (2023)
Jahresbericht 2021 (2022)
Jahresbericht 2020 (2021)
Jahresbericht 2019 (2020)
Jahresbericht 2018 (2019)
Jahresbericht 2017 (2018)
Jahresbericht 2016 (2017)
Jahresbericht 2015 (2016)
Jahresbericht 2013 (2014)
Jahresbericht 2012 (2013)
Jahresbericht 2011 (2012)
Jahresbericht 2010 (2011)
Jahresbericht 2009 (2010)
Jahresbericht 2008 (2009)
Tätigkeitsbericht 2004-2005 (2006)
Tätigkeitsbericht 2001-2003 (2004)
Demokraten und Gläubige? Leistungen und Grenzen von Richard Hofstadters »Anti-intellectualism in American Life« (1963) (2025)
Coché, Stefanie
1964 gewann Richard Hofstadters im Jahr zuvor erschienenes Werk »Anti-intellectualism in American Life« den Pulitzer Prize in der Kategorie General Nonfiction. In dem bis heute immer wieder neuaufgelegten Buch geht Hofstadter (1916–1970) in vier Teilen den historischen Ursprüngen des seiner Überzeugung nach allgegenwärtigen Antiintellektualismus in den USA nach. Das Buch folgt dabei zugleich einem thematischen und chronologischen Aufbau, indem der Autor zunächst die religiösen Wurzeln des Phänomens bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgt, um schließlich mit Überlegungen zum US-amerikanischen Schulsystem im 20. Jahrhundert zu enden. Im Lichte der aktuellen wissenschafts- und bildungsfeindlichen Disruptionen in den USA verdient das Buch eine erneute, historisierende Lektüre – mit Blick auf seine Leistungen und Grenzen.
Historische Anthropologie des globalen Kapitalismus. Sidney W. Mintz und die »Kulturgeschichte des Zuckers« (1985/87) (2025)
Luks, Timo
Sidney Mintzʼ »Kulturgeschichte des Zuckers« ist längst ein Klassiker. Mintz (1922–2015) charakterisierte das Buch als Ergebnis einer langjährigen »Erforschung der Geschichte der Karibik und derjenigen tropischen, vornehmlich landwirtschaftlichen Produkte […], die mit der ›Entwicklung‹ dieser Region seit ihrer Eroberung durch die Europäer fest verknüpft sind« (S. 11). Ihn habe interessiert, wie und warum Europäer und Nordamerikaner zu Konsumenten karibischer Erzeugnisse wurden. »Und wenn man versucht«, so die programmatische Formulierung, »Konsumption und Produktion, Kolonie und Metropole zusammenzubringen, dann geschieht es leicht, daß man die eine oder die andere – den ›Mittelpunkt‹ oder den ›Außenrand‹ – nicht mehr so richtig scharf sieht.« (S. 13)
Grenzgänger des Wissens. Zur Historizität und Aktualität von Hans Peter Duerrs »Traumzeit« (1978) (2025)
Widmer, Louis
»Innerhalb kürzester Zeit wurden 150.000 Exemplare verkauft, so etwas kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen.« Mit diesen Worten blickte der Ethnologe Hans Peter Duerr im Jahr 2009 auf sein Werk »Traumzeit« zurück, dessen Strahlkraft sich an den unzähligen Besprechungen in Fachzeitschriften und Feuilletons ablesen lässt. Der 1978 im linken, westdeutschen Syndikat Verlag publizierten Erstausgabe folgten in wenigen Jahren fünf weitere Auflagen. 1985 erschien eine Neuausgabe bei Suhrkamp, die ihrerseits stetig nachgedruckt wurde (zuletzt 2021 bzw. seither als Print on Demand), und zudem eine Übersetzung ins Englische. Auf dem Rücken des roten Suhrkamp-Bandes prangt der Tribut der Schweizer Zeitung »Die Weltwoche« an ein »mittlerweile berühmt gewordenes Kultbuch«. Während der Paratext die »Traumzeit« diskursiv in die luftigen Höhen eines wie auch immer definierten Kanons erhebt, tat der Bergsteiger Reinhold Messner dies 1979 ebenso performativ wie wörtlich, indem er das Buch in seinem Rucksack zusammen mit Werken von Platon und Tolstoi auf den K2 trug. Auch wenn Duerr partout keinen »Klassiker« geschrieben haben will, muss er sich heute das Etikett des »meist gelesenen Ethnologen der deutschen Nachkriegszeit« gefallen lassen. Kurz: Bei der »Traumzeit« handelte es sich, um die Wortschöpfung eines Fachrezensenten zu gebrauchen, fraglos um einen »Ethno­bestseller«, der auch als solcher beworben wurde.
Virtuelle Resituierung: Das Projekt »Digital Benin« (2025)
Meyer, Roland
Wer im Berliner Humboldt Forum nach der »Zukunft der Benin-Bronzen« sucht, stößt auf eine Galerie sprechender Köpfe. Der gleichnamige Saal im Ostflügel des Gebäudes präsentiert als sein zentrales Ausstellungsobjekt eine Reihe von zehn hochkant gestellten, in Augenhöhe angebrachten Monitoren, auf denen neben Hermann Parzinger als Repräsentant der Institution auch ein Vertreter des Königshauses von Benin sowie Kurator:innen und Wissenschaftler:innen aus Deutschland und Nigeria in wohlabgewogenen Statements ihre Sicht auf die Zukunft der umstrittenen Sammlungsobjekte schildern. Immer, wenn eine Person das Wort ergreift, wenden sich die anderen ihr aufmerksam zu.
›Forms of Mixing‹: Contemporary History and Sociocultural Anthropology. A Conversation with Debjani Bhattacharyya and Brian Larkin (2025)
Bhattacharyya, Debjani ; Larkin, Brian
After World War II, many historians in the German-speaking world thought of the relationship between anthropology and history as being largely synonymous with that of ›everyday life‹ (Alltag) and ›structure‹. As Jürgen Kocka (b. 1941) wrote in a retrospective statement to the Zurich historian Rudolf Braun (1930–2012), one of the few prominent figures of ›ethnographic‹ social history especially in the 1970s and 1980s: ›For while we, a younger generation of social historians, have turned to the large structures and processes that conditioned, encompassed and shaped people’s lives, Braun has always supported us, but he insisted – in an untimely but fruitful way – on not missing the people’s »inside«: the experiences and habits, the hopes and disappointments, the everyday life and mentalities of common people in the age of industrialization.‹
Die Clickgabe. Crowdfunding als soziokulturelle Praxis (2025)
Dommann, Monika ; Ege, Moritz
Crowdfunding trat um 2010 als neue Praxis in Erscheinung. Unsere Fallstudie zum Schweizer Crowdfunding-Anbieter wemakeit verwendet die Plattform als Seismograph, um mediale, politisch-ökonomische, semantische, rechtliche, kulturelle und in einem weiteren Sinne gesellschaftliche Verschiebungen zu Beginn des 21. Jahrhunderts zeithistorisch und empirisch-kulturwissenschaftlich zu diskutieren. Methodisch verbindet der Beitrag Quellenarbeit und halbnarrative Interviews unter anderem mit den Gründer:innen von wemakeit. Crowdfunding als soziokulturelle Praxis, die auf einer technischen Infrastruktur basiert, wird im Hinblick auf die mitkonstituierende Wissensproduktion kontextualisiert sowie an konkrete Akteur:innen, ihre Biographien und den lokalen Entstehungszusammenhang geknüpft. Zugleich aber sind es, so die These, gegenstandsbestimmende Grenzziehungen (semantisch, juristisch, politisch), welche die Spezifik von Crowdfunding-Plattformen prägen. Abschließend werden die Ergebnisse vor dem Hintergrund historischer Entwicklungen einer zunehmenden Vermarktlichung von Kultur eingeordnet.
Swiss-Chinese Entanglements. Historical and Anthropological Perspectives on Transnational Economic Collaborations (2025)
Kaufmann, Lena ; Remund, Niklaus
This article explores Swiss-Chinese economic entanglements since the 1970s. First, we show how China opened its economy to foreign direct investment (FDI), with Switzerland as a pioneer for Joint Ventures (JVs) in China (1970s–2000s). Second, we outline how Chinese technologies spread abroad, focusing on Chinese telecommunication companies in Switzerland (2000s–2020s). Representatives from the Swiss companies envisioned immense market opportunities in China. Their Chinese counterparts saw JVs as an opportunity to integrate into the world’s production system and acquire technological know-how as well as foreign currency. Building on and further developing this knowledge has enabled Chinese companies such as Huawei to become global market leaders. Technologies and investments are now making their way back to Europe, although not without contestation. In order to better understand Sino-Swiss and other global economic interactions, we need to creatively combine historical and ethnographic methods. This approach highlights the motivations and debates at both the giving and receiving ends, and how they change over time, thereby challenging one-sided narratives of Western and Chinese global capital flows and technology acquisitions.
Circular Economy as Human-Material Relation. Understanding the Reuse of Building Materials through Historical Sources and Ethnographic Data (2025)
Kobi, Madlen ; Przywara, Adam
In this article, we provide a new approach to circular economy in architecture based on the juxtaposition of historical sources and ethnographic data. We bring into dialogue historical practices of rubble reuse in Warsaw after the Second World War with contemporary efforts to salvage components in buildings slated for demolition in Vienna. The analysis of archival and published documents, construction and architecture magazines, and visual sources is combined with a participant observation in a start-up company in Vienna. Our research methods have led us to respond critically to the solutions presented by the current debates on the reuse of construction and demolition waste. For past and present reuse practices, we uncover and scrutinise a complex social and bodily reality often obscured by the images of seamless and endless circulation of construction materials promoted by policymakers, industry leaders, architecture professionals, and positivist academic researchers.
In Bewegung versetzt. Forschungen zum Archiv des Kunstethnologen Hans Himmelheber (2025)
Krüger, Gesine ; Oberhofer, Michaela
Der Nachlass des deutschen Kunstethnologen und Sammlers Hans Himmelheber (1908–2003) kam aus dem Privatbesitz seiner Familie an das Museum Rietberg Zürich. Ein Forschungsprojekt in Kooperation mit dem Historischen Seminar der Universität Zürich begleitete die Archivwerdung von Himmelhebers Dokumenten, Filmen, Fotos und Objekten vor allem aus der heutigen Côte d’Ivoire und der Demokratischen Republik Kongo. Die darin reflektierte Wissensproduktion zur Kunst Afrikas wurde multiperspektivisch und translokal untersucht, etwa mit Restudies. Weil Himmelhebers Theorien am Beginn eines Paradigmenwechsels hinsichtlich der materiellen Kultur Afrikas standen, weg von einer als anonym wahrgenommenen »tribalen« Handwerkskunst hin zur individuellen Künstlerpersönlichkeit, spielten auch zeitgenössische und heutige künstlerische Positionen eine wichtige Rolle im Projekt. Das Archiv wurde zum Feld, das es in unterschiedlicher Weise zu erkunden galt. Unsere Reisen in dieses »Feld« sind nun wiederum Bestandteile des von den Nachkommen übergebenen und durch die Bearbeitung (auch digital) neu geschaffenen Archivs Himmelheber.
Zwischen Archiv und Feld. Sozial-/Kulturanthropologie und Zeitgeschichte (2025)
Dommann, Monika ; Kaufmann, Lena
»There is nothing new or eccentric about the suggestion that historians might profit from an acquaintance with anthropology«, schrieb der britische Sozial- und Kulturhistoriker Keith Thomas 1963. Er bezog sich damit seinerseits auf Debatten der 1930er-Jahre, die von dem Wirtschafts- und Sozialhistoriker Richard Henry Tawney angeregt worden waren, der damals an der London School of Economics wirkte. Thomas fügte jedoch sogleich hinzu, dass der Vorschlag einer engeren Verbindung von Geschichte und Anthropologie selten in die Praxis umgesetzt werde.
Games, Comics, Nazi-Verbrechen. Zur Funktion gezeichneter Bilder in historischen Serious Games (2025)
Grünkorn, Malte
Comic-Autor:innen haben einen produktiven Umgang mit medialen Eigenheiten gefunden, um Geschichte darzustellen, auch und gerade in Bezug auf traumatische Gewaltgeschichte und die NS-Massenverbrechen. Für Games hingegen kann dies eher noch nicht festgestellt werden. Dies gilt auch für solche Spiele, die dezidiert eine gedenkpädagogische oder geschichtsdidaktische Zielsetzung aufweisen, also historische Serious Games, die sich bisher noch stark an Comics zu orientieren scheinen. Diese mediale Form der sequenziellen gezeichneten Bilder weist einige spezifische Stärken als Form der populären Geschichtsdarstellung auf. In diesem Beitrag beschäftige ich mich daher mit der Frage, was passiert, wenn die gezeichneten Bilder eines Comics digital und interaktiv werden, das heißt die Repräsentation zu einem digitalen Spiel wird.
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