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Homosexuelle vor Gericht. Strafverfolgung in den 1950er- und 1960er-Jahren: Das Beispiel Frankfurt am Main

  • Die 1950er-Jahre werden oft als eine Zeit gesellschaftlicher »Restauration« betrachtet, in der Sexualität massiv unterdrückt worden sei. Als ein Beleg dafür wird die fortgesetzte polizeiliche und gerichtliche Verfolgung Homosexueller genannt, für die das »Dritte Reich« erst mit der Strafrechtsreform von 1969 ein Ende gefunden habe. Weniger Beachtung findet, dass sich viele Mediziner und Juristen schon in den frühen 1950er-Jahren für eine Reform des Paragraphen 175 des Strafgesetzbuches starkmachten, der homosexuelle Handlungen unter Männern mit Gefängnis bedrohte. Welche Auswirkungen die Reformdebatte auf die Praxis der Strafverfolgung hatte, wird in diesem Aufsatz anhand von 1.526 Urteilen untersucht, die Frankfurter Gerichte in den Jahren 1946 bis 1965 fällten. Dabei zeigt sich, dass die Gerichte die »einfache« Homosexualität unter Erwachsenen tendenziell immer milder beurteilten, während die »schweren« Fälle sogenannter »Jugendverführung« weiterhin streng verfolgt wurden. Dies spricht dafür, die 1950er- und 1960er-Jahre nicht nur als eine Zeit neuerlicher Repression zu betrachten, sondern auch als eine Phase des Umbruchs und der allmählichen Liberalisierung.
  • The 1950s are often regarded as a period of social ›restoration‹ in which sexuality was massively suppressed. This seems to be particularly evident in the continued criminal prosecution of homosexuals, which took place under juridical traditions partially inherited from the ›Third Reich‹; this only came to an end with the criminal law reform of 1969. What is less known is that many doctors and lawyers were already campaigning in the early 1950s for a reform of Paragraph 175 of the German Criminal Code, which threatened homosexual acts between men with imprisonment. The effects of the reform debate on the practice of criminal prosecution are examined in this article on the basis of 1,526 judgments handed down by Frankfurt courts between 1946 and 1965. I show that the courts were increasingly lenient in their assessment of ›simple‹ homosexuality among adults, while the ›serious‹ cases of what was described as ›seduction of minors‹ continued to be severely prosecuted. This suggests that the 1950s and 1960s should be viewed with greater nuance: not only as a period of renewed repression, but also as a phase of upheaval and gradual liberalization.

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Verfasserangaben:Alexander ZinnGND
URN:urn:nbn:de:101:1-2512230055298.493701975244
URL:https://zeithistorische-forschungen.de/2-2024-2025/6220
DOI:https://doi.org/10.14765/zzf.dok-2936
Titel des übergeordneten Werkes (Deutsch):Zeithistorische Forschungen – Studies in Contemporary History
übersetzter Titel (Englisch):Homosexuals in Court. Criminal Prosecution in the 1950s and 1960s: The Example of Frankfurt am Main
Verlag:ZZF – Centre for Contemporary History: Zeithistorische Forschungen
Verlagsort:Potsdam
Dokumentart:Wissenschaftlicher Artikel (Zeitschrift)
Sprache:Deutsch
Datum der Veröffentlichung (online):11.12.2025
Datum der Erstveröffentlichung:11.12.2025
Datum der Freischaltung:15.12.2025
Jahrgang:21
Ausgabe / Heft:2
Erste Seite:251
Letzte Seite:276
DDC-Klassifikation:9 Geschichte und Geografie / 90 Geschichte / 900 Geschichte und Geografie
ZZF-Regionalklassifikation:Europa
Europa / Westeuropa
Europa / Westeuropa / Deutschland
Europa / Westeuropa / Deutschland / Bundesrepublik
ZZF-Themenklassifikation:Geschlecht
Amerikanisierung
Gender Studies
Justiz
Recht
Queer History
ZZF-Zeitklassifikation:1950er
1960er
1945-
Online-Portale:Zeithistorische Forschungen
Zeithistorische Forschungen: Originalbeiträge:2 / 2024-2025 Offenes Heft
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