Visual-History
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Durch technische Innovationen und sich wandelnde gesellschaftliche Verhältnisse hat die Privatfotografie im Laufe der Zeit Veränderungen erfahren. In diesem Beitrag soll anhand einer Stichprobe ein Stück weit in ein für Deutschland bisher noch nicht erforschtes Feld im Bereich von Visual History und Militärgeschichte hineingeleuchtet werden. Bisher ist die Privatfotografie in der Nationalen Volksarmee (NVA) und Bundeswehr kaum Gegenstand wissenschaftlicher Betrachtung.
Linda Conze untersucht in ihrer Monografie Fotografien von Feierlichkeiten in Deutschland an der Schwelle von der Weimarer Republik zum „Dritten Reich“ – und stellt in den Praktiken der Vergemeinschaftung und den Bildern davon eher eine Kontinuität anstatt eine deutliche Zäsur fest. Die Fotografie spielte jedoch eine signifikante Rolle bei der Weichenstellung und Konstruktion des Transformationsprozesses von der Weimarer Republik zur NS-Diktatur. Linda Conzes Monografie ist inspirierend für diejenigen, die sich für eine Sozialgeschichte der NS-Zeit, Alltagsgeschichte oder Visual History interessieren.
Ulrich Kneise gehört zu den führenden Fotografen Thüringens und ein markanter Vertreter der jüngsten Generation sozialdokumentarischer Fotografen und Fotografinnen aus der DDR, der ostdeutsche Prägungen und die sozialen Umbrüche der „Wende-Zeit“ im Bild zeitnah eingefangen hat. Einen Tag nach der Grenzschließung am 14. August 1961 geboren, sieht er sich selbst als „Mauerkind“ (S.8). „Die Grenze ist nicht nur Materialität, nicht Draht, Beton und Streckmetall, sie ist in uns und will selbst drei Jahrzehnte nach ihrem Fall Tag für Tag abgetragen werden“ (S. 10), so der Fotograf.
In einem Zeitraum von 14 Tagen, zwischen dem 20. Dezember 1915 und dem 3. Januar 1916, schickte der Soldat Willi Henseleit insgesamt sieben Ansichtskarten, aus einer Reklameserie des Berliner Kaufhauses Heinrich Jordan, an seine Tochter in Berlin.
Diese stille „Kaufhausidylle“ steht in einem deutlichen Gegensatz zu den handschriftlichen Mitteilungen, in denen Henseleit von seinem Soldatenalltag und dem „Kriegsschauspiel“ bei eisiger Kälte berichtet.
Das kontrastreiche Verhältnis zwischen Bild- und Textseite dieser „Sammlung in der Sammlung“ weckte unser Interesse.
In their project, Picture Me, the authors engage with a burgeoning interest in queer Finnish history and with scholarship from the German tradition of visual history to consolidate a new research field called queer visual history. Each researcher in the project is working with a particular archival record, or records, associated with Finnish historical figures that are alleged to have lived queer lives. The shared concern is, to test what visual methods can do to enhance our historical analyses and, and to embrace the richness of the photographic archive for the ways in which it has been able to capture not just individuals’ stories, but the spaces in which they lived, the people who accompanied them, and even the perspectives with which they viewed their own lives.
Jovan Ritopečki (1923-1989) war ein jugoslawischer Fotograf und Bildjournalist, der in den 1970er und 1980er Jahren das Leben jugoslawischer Migrant:innen in Österreich für österreichische und jugoslawische Medien und als „Community“-Dokumentarist begleitete. Sein Archiv blieb jahrzehntelang in Familienbesitz verwahrt und einer breiteren Öffentlichkeit unbekannt. Seine Wieder- bzw. Neuentdeckung ist ein Glücksfall für die Forschung und Öffentlichkeit. Eine neue Bilddatenbank macht diesen bisher kaum bekannten Nachlass nun zugänglich.
Zwischen 1981 und 2004 reiste die Zürcher Grafikerin Beatrice Weyrich (*1934) jedes Jahr nach Genf, um an einer Konferenz der UNO teilzunehmen. Hier kamen die Delegierten indigener Völker zusammen, um für ihre internationale Sichtbarkeit und Anerkennung einzutreten. Weyrich dokumentierte die Arbeit der Delegierten – und schuf so eine visuelle Gegenerzählung zu dominierenden stereotypen Darstellungen Indigener Nordamerikas. Ihre über 2500 Aufnahmen bilden ein visuelles Archiv des transnationalen indigenen Widerstands, das bisher in Forschung und Öffentlichkeit wenig Beachtung gefunden hat.
Im Jahr 1996 war das Internet ein verheißungsvoller Ort. Fotograf:innen hielten für das Projekt „24 Hours in Cyberspace“ fest, wie Menschen auf der ganzen Welt das neue Medium nutzten. Deutlich zeigen sich daran die euphorisch bejubelten Potenziale globaler Computernetzwerke – und auf den zweiten Blick auch deren Schattenseiten.
„Das Weite suchen“ ist ein genialer Titel, der die Sehnsucht nach Freiheit mit dem Grenzen überwindenden „Abhauen“ verknüpft – eine prägnante Zustandsbeschreibung des für viele Menschen komplizierten Prozesses der erträumten oder tatsächlichen Lebensumstellung vor und nach dem Point of no Return der DDR. Die unter diesen Vorzeichen erarbeitete Ausstellung ist nicht chronologisch aufgebaut, sie stellt vielmehr Fotografinnen und Fotografen, überwiegend mit DDR-Erfahrung, vor, die mit ihren Bildern bestimmte Lebensweisen im Zeitintervall zwischen Staatsbankrott und Übergangsmisere zu thematisieren versuchten. Das Beste an dieser Ausstellung ist, dass man an ihr die psychische und soziale Disposition mehrerer Generationen des Bildpersonals und einen allmählichen, facettenreichen Mentalitätswandel ablesen kann. Das Publikum sieht sich konfrontiert mit den fotografischen Erkundungen des Wendejahrzehnts zwischen 1983 und 1995, in das die Namen der Fotograf:innen, ihre Werke sowie prägnant formulierte Kurztexte in ein einfaches Stellwanddesign integriert werden.
You Look All the Same to Me. Perspektiven auf die Diane-Arbus-Ausstellung im Berliner Gropius Bau
(2025)
Mit weit aufgerissenen Augen schaut uns das Mädchen an. Aus seinem Blick spricht eine Ernsthaftigkeit, vielleicht auch Traurigkeit, die irritiert, weil das Kind kaum älter als zehn Jahre sein kann. Woher, fragt man sich beim Betrachten der Fotografie, rührt dieser Ernst, welchen traumatischen Erfahrungen mag er geschuldet sein? Fast wirkt es so, als schaue es weniger in die Kamera als in die Zukunft, und man wüsste nur allzu gerne, was aus ihm geworden und wie die Geschichte weitergegangen ist. Geschossen hat das Bild die amerikanische Fotografin Diane Arbus (1923-1971), die gerade mit einer großen Retrospektive im Berliner Martin-Gropius-Bau geehrt wird. Arbus gilt seit ihrem Freitod als Ikone der modernen Fotografie, bereits in den 1970er Jahren wurde ihr eine epochale Wirkung attestiert. Ihr Werk besteht zu einem großen Teil aus Schwarz-Weiß-Porträts von Unbekannten, die frontal in die Kamera blicken, so ungeheuer eindringlich und melancholisch, dass man sie nicht mehr aus dem Kopf bekommt.

